zeit

foto: kirche san görg (san güerg), lavin (gr) - sonnenuhr

 

zeit ist zu schnell für den, der sich freut,
zu langsam für den, der wartet,
zu lang für den, der traurig ist
und zu kurz für den, der glücklich ist.

 

im moment mache ich mir viele gedanken zu zeit. nicht weil zeit- und selbstmanagement mein steckenpferd sind. ich stelle mir zeitfragen. auf die ich bis vor wenigen tagen noch gar keine antwort gesucht habe:

-       wie lange wird diese lockdown-situation andauern?

-       wie lange wird es dauern, bis sich die wirtschaft erholt?

-       werden solche viren unsere menschheit immer wieder beschäftigen?

-       wie wird die zukunft aussehen?

-       wann werde ich in meiner praxis wieder klienten empfangen dürfen?

-       welche angebote meinerseits werden benötigt und gewünscht? jetzt, morgen, in einem halben jahr?

 

zeit, ein begriff, der sich schlecht fassen lässt. die vier grundsätzlichen erklärungsmodelle helfen in diesem moment nicht wirklich:

 

absolute zeit: bis vor rund 100 jahren war die forschung davon überzeugt, dass das universum unveränderlich, starr und ewig ist. zeit wurde als etwas absolut wahres und mathematisch berechenbares definiert. zeit fliesse stetig gleichmässig und ohne jede beziehung zu etwas äusserem.

 

relative zeit: der heutige zeitbegriff ist davon geprägt, dass durch den urknall vor knapp 14 milliarden jahren eine expansion von klein nach gross geschah, respektive immer noch im tun ist. so wird also das universum nicht mehr als starr und ewig angesehen sondern als etwas, mit einem zeitdehnungseffekt. zudem verlangsamt die erde ihre eigendrehung immer mehr. vor 530 millionen jahren dauerte ein tag nur 21 stunden, dafür ein jahr – also eine sonnenumrundung der erde – ganze 420 tage.

 

objektive zeit: diese orientiert sich an veränderungen z.b. an den periodischen bewegungen der himmelskörper. die dauer des ablaufs von vorgängen und der zeitpunkt eines ereignisses sind hier von interesse.

 

subjektive zeit: diese zeit gilt als die vom individuum unterschiedlich er­leb­te und wahrgenommene zeit. sie ist von verschiedenen bestimmgrössen ab­hän­gig, vom kulturellen umfeld, dem lebensalter, der aktuellen situation und vielem mehr. in situationen, in welchen wir uns wohlfühlen, scheint die zeit schneller zu ver­gehen, als in solchen, die wir als negativ bewerten. auch in panik und stress­situationen vergeht die zeit gefühlt langsamer: "ich bin wie in zeit­lupe gefallen…", "in diesem moment ist die zeit stillgestanden…". aber ein jahr in der kindheit haben wir meist als länger empfunden als ein jahr heute, als erwachsene. war­ten wir untätig auf den bus, ver­geht die zeit langsamer als in aktivität. wenn wir mit freunden einen ge­mütlichen abend verbringen, scheint die zeit wie im flug zu vergehen. und eine minute die hand auf einer heissen herdplatte scheint ungleich länger als die hand eine minute auf die normal temperierte küchenablage zu legen… generell gilt auch, je weniger neues wir erleben, desto kür­zer erscheint uns im rückblick dann diese zeit. dies, weil unser gehirn neue er­fahrungen umfangreicher abspeichert als bereits vertrautes.

 

vor kurzem habe ich einen spannenden artikel darüber gelesen, dass viele menschen das gefühl haben, dass zeit fliesst. die frage ist in welche richtung. herausgefunden haben forscher, dass für viele die vergangenheit auf der linken und die zukunft auf der rechten position liegt und zeit somit von links nach rechts zu fliessen scheint. menschen, die mandarin sprechen, würden aber eher sagen, dass die zeit von oben nach unten fliesst. in unserer kultur lesen und schreiben wir von links nach rechts, während in mandarin lange von oben nach unten gelesen wurde.

-       in welche richtung fliesst zeit für dich?

-       und, wenn ich dich fragen würde: "wir verlegen das für sonntag geplante treffen 2 tage nach vorne." an welchem tag würden wir uns dann treffen? am freitag oder am dienstag?

-       ist "nächsten" samstag, jener samstag der als nächstes kommt oder ist der samstag, der als nächstes kommt eher "diesen" samstag und nächster samstag somit diesen samstag in einer woche?

-       wie beantwortest du diese fragen? bist du dir mit deiner familie oder mit freunden diesbezüglich einig?

-       und in der aktuellen corona-situation: hast du das gefühl, jetzt mehr zeit zu haben oder eher weniger als in deinem üblichen alltag?

-       mit was verbringst du deine zeit jetzt?

-       was für zeitfragen stellen sich dir?

 

 

ich wünsche dir in jedem fall eine gesunde zeit!