essens-bünzli

welchen teil der pizza kann ich haben?
die schachtel.

ich betrachte die karte mit den take-away angeboten und stelle einmal mehr fest: ich bin ein essens-bünzli!

nicht (hoffentlich nicht!) geistig unbeweglich, dafür unfassbar gourmet-technisch eingefahren.

also bezogen auf die jeweils anstehende auswahl.

aufgeführt sind verschiedene burger, cordon-bleu variationen oder heisse sandwiches. obwohl noch drei tage von der bestellung entfernt, weiss ich bereits klar, was ich überübermorgen essen möchte.

 

so geht es mir auch in restaurants. kurz die karte studieren, in den bauch horchen, sabber-pegel messen und das gericht steht fest. dann beginnt mein essens-bünzlitum! wehe, jemand möchte seinen teller in der hälfte mit meinem teller tauschen. geht gar nicht! hätte ich lust aufs essen vom nachbarteller, dann hätte ich mir ja gleich dieses menü bestellt! also pfoten weg!

 

noch schlimmer geht es mir mit einer freundin. die ist essens-auswahl-technisch ein grandioser freigeist. in einer pizzeria schlägt sie regelmässig vor, dass wir zwei unterschiedliche pizzen bestellen, jede ihre lieblingspizza, um diese dann zu halbieren und die eine hälfte je der andern abgibt, so kommt jede von uns zu zwei verschieden schmeckenden pizzen. … du solltest sie sehen, wenn sie das voller freude und energie vorschlägt. immer wieder findet sie ihre idee genialst. und ich, im wissen um meinen starrsinn, versuche mich mal für mal in grosszügigem einverständnis und spiele begeisterung mit. ich will ja kein bünzli bleiben. ich will auch locker und genussvoll zwischen zwei geschmacksrichtungen wechseln. ich will essenstechnisch auch so cool und locker drauf sein wie sie. aber weit gefehlt. mein bünzli-genuss-sinn grummelt bereits beim anblick der beiden hälften auf meinem teller unwirrsch vor sich hin. und dann die entscheidung: verdrücke ich nun zuerst die von ihr ausgewählte hälfte, damit ich mich dann voller freude der meinen – weit besser schmeckenden – zuwenden kann oder umgekehrt. zuerst die meine und dann, wenn ich nicht mehr so hungrig bin, vielleicht nur noch ein paar bissen von der ihren?

 

es ist fast dieselbe entscheidung wie bei einem teller mit verschiedenen komponenten drauf. isst du zuerst alles, was dir nicht so schmeckt um dann die leckeren bissen zu geniessen oder isst du zuerst das leckere um dann das weniger leckere stehen zu lassen?

am unangenehmsten ist mir mein bünzlitum beim chinesen oder thai. was freuen sich da die meisten über die verschiedenen töpfe in der mitte des tisches. und alle dürfen von allem kosten. mag ich nicht! gopf! wenn ich lust auf huhn süss-sauer mit gebratenem reis habe, dann will ich nicht die ente, keine glasnudeln und erst recht nicht das rindfleisch szechuan. punkt.

 

trotzdem ärgere ich mich über mein verhalten. es wäre toll, wenn ich das ändern könnte. aber will ich das ändern? weil, wenn man weiss, was einem gerade jetzt am besten schmecken wird, warum soll man dann noch das zweitbeste probieren?

 

du merkst, beim essen, da verstehe ich keinen spass. mein humor hat da seine teller-grenzen. ausser buffets. buffets sind grossartig. aber dann habe ich mich ja auch für das buffet mit all seiner vielfalt entschieden. logisch, oder?

 

wie geht es dir? bist du ein essens-freigeist oder auch ein ich-teile-mein-essen-nicht-bünzli?