leere rollen

manche dinge lernt man erst zu schätzen,
wenn sie nicht mehr da sind.
klopapier zum beispiel.

ich habe echt glück. im fill'schen haushalt werden zahnpastatuben sauber verschlossen. bartstoppeln verweilen grundsätzlich nicht im waschbecken. eher selten bleibt ein er­schöpftes paar socken schlaff und leicht müffelnd im wohnzimmer liegen. klamotten werden vorbildlich an ihrem aktuell sinnvollen bestimmungsort ab­gelegt. kaffeetassen finden ihren weg in die abwaschmaschine. gelesene zeitungen sind gestappelt. schuhe selbst geputzt. müll rausgetragen... kurz vorbildlich! traummann ähnlich...

 

wären da nicht dieses verflixte wc-papier. die scheinen alles an ordnungssinn zu relativieren.

 

schleichend hat sich der vorgang des nicht-wechselns in unserem all­tag etabliert. irgendwie schafft es mein seit über einem drittel jahrhundert an­getrauter gatte nicht mehr, den komplexen vorgang vom wc-pa­pier­­rollen-wechseln zu ende zu führen. korrektur: von geschätzten fünf mal klappt es zwischen kein bis einmal reibungslos. ansonsten kommt es durchaus vor, dass da eine ihrer aufgaben entblätterte karton­rolle einsam und nutzlos herumhängt. manchmal büxt sie aus und wartet nackt und schutzlos auf dem waschbeckenrand neben dem seifenspender auf ihren fall in den treteimer. oder habe ich sie beim noch nicht erfolgten kopfsprungversuch in dessen tiefen erwischt? irritierend ist auch, wenn sie nur mit einem blättchen bekleidet ihrem ende entgegen döst. einmal, da habe ich sie tatsächlich im schuhschrank ertappt. was zum kuckuck hat sie da gesucht? und es kann vorkommen, dass sie weit und breit nirgends ist und ihr halter sinnberaubt, blatt- und kartonlos, schlicht unberollt auf nachschub wartet.

in erinnerung an partnerschafts-anfängliche haushaltsdiskussionen und -gefechte habe ich mich entschieden. sche… auf leere rollen! die welt hat grad gravierendere probleme! also steht immer griffnah doppelersatz bereit. und, während ich den wechsel­vorgang vollende kann ich mir jeweils in ruhe überlegen, mit welch lustigem rätselsprüchlein ich göttergatte auf sein unterlassen aufmerksam machen und ihm damit auf die nerven gehen will. ist er nicht im hause, gestehe ich, schmunzelt es mir halt im stillen.

 

 

übrigens bin ich froh, dass ich nicht auf all meine halbfertigen oder ganz vergessenen ämtli hingewiesen werde.