männer grauen

graue haare sind voll im trend.
wenn jetzt noch übergewicht
und falten modern werden,
wird das mein jahr!

manner ergrauen anders.

 

heute morgen unter der dusche schoss mir diese erkenntnis blitzartig quer durch den einschamponierten kopf! oder kennst du einen mann, der ein silberglanz haarwaschmittel benutzt, damit seine haartracht keinen gelbstich bekommt? und noch nie habe ich männliches kopfhaar – auch kein schütteres – im altweibertypischen violettton schimmern sehen. jedes mal erklärt mir jeder friseur, dass ich unbedingt einen schönen aschigen glanz in mein haar bringen muss und empfiehlt mir die entsprechenden pflegeprodukte. meinem ebenfalls ergrauten gatten hat dies noch nie jemand geraten. auch der amerikanische präsident scheint kein silberglanzschampoo griffbereit zu haben.

 

also frage ich mich, ist das grau der männer anders oder wirkt es nur so? wäre der ratschlag ein zusätzliches pflegeprodukt zu benutzen schlicht verlorene energie, da männer sich ihrem älterwerdenden haarton in freundschaft annehmen. vielleicht, weil sie dankbar sind, dass sich da überhaupt noch haare auf ihrem schädel be­finden?  oder sind männer nicht so eitel? oder frauen beeinflussbarer? macht der hormonunterschied die farbnuance aus? oder der zum grau nicht ganz passend gewählte make-up-farbton?

 

ich google mich durchs internet-schwarmwissen und finde keine wirklich gescheiten ant­worten. aber ich lande bei allerhand kontroversen beiträgen. die mehrheit findet, graue haare sind bei männern sexy, frauen hingegen wirken gleich viel älter. und dann die diskussion über die korrekte haarlänge. es scheint eine mir unbekannte formel zu existieren: je älter desto kürzer sollte die frisur sein. ich gestehe, ich habe mich jahrelang durch die gesamte farbpalette gefärbt und jenste haarlängen und -schnitte ausprobiert.

 

zur zeit schiele ich immer neugierig auf die köpfe von frauen, die ich meinem jahrzehnt zu­gehörig einschätze. da gibt es jede menge äusserst attraktive haartrachten (sogar haar­prachten), welche schöne gesichter umrahmen. einzig der tatsache ge­schuldet, dass ich ein friseurbesuch ähnlich unangenehm wie ein zahnarztbesuch empfinde und ich das dazugehörige zeitvertreiben in nichtssagenden zeitschriften nicht mag, hat mich vor einigen monaten dazu bewogen auf die ewig juckenden und stinkenden färbungen zu verzichten. während diesem bedeutungslosen blättern entdeckte ich den einen oder anderen artikel über "grau ist in". ja, wenn die das schreiben… da bin ich jetzt also eher trendig denn altbacken. oder? oder doch nicht?

 

kennst du einen mann, der sich gleich dem hamletschen zwiespalt zwischen "sein oder nicht sein", gedanken über färben oder nicht färben macht?

 

mit einem missglückten haarschnitt kann mir ein friseur für die nächsten 6 monate ge­hörig das selbstbewusstsein zerstören. aber einem mann passiert auch das eher nicht. der kerl lässt sich in 5 wochen nochmals entspannt auf dem teufelsstuhl nieder und verlässt den salon meist pfeifend und frohen mutes.

 

männer grauen somit nicht nur anders, sie scheinen auch nicht ihr gesamtes selbstwertgefühl an ihrem kopfhaar festgesprayt zu haben.

 

anders ich. ich stehe an der kasse im supermarkt, vor mir eine frau. ich scanne sie kurz: älter als ich, sehr gepflegt, haare in einem super ton gefärbt. hmm, vielleicht sollte ich doch auch wieder? auf dem parkplatz begegnet mir eine kollegin. haare fantastisch sportlich in ergrautem kurzhaarschnitt tragend. soll ich mir die haare noch kürzer schneiden lassen? es windet. mein blick fällt auf die ältere dame, deren dunkel­braune frisur sich grad in alle richtungen schlägt und deren haaransatz neckisch schneeweiss blitzt. sieht nicht gut aus. also zum glück habe ich mich für mein grau entschieden. dann die fernsehmoderatorin, wow, lange und natürlich wirkende blonde haare, das ist es. stand mir mit 20 doch so gut. ich werde einen termin abmachen. zuhause erinnert mich eine foto an meine letzte haarfärbeaktion. was für strohige haare, wie mühsam das ewige nachfärben und die kaffee­pausen­dauernden haarmasken. haarmasken, das ist doch auch so eine weibliche angele­gen­heit. hast du schon jemals ein männliches wesen mit turban, gurkenmaske und frisch manikürten nägeln angetroffen? vielleicht ein männdermodel oder ein schau­spieler. da fällt mir gerade ein, hat nicht  keanu reeves eine neue partnerin, die ihre haare ungefärbt, halblang und grau trägt?

 

ich verlange göttergattes urteil bezüglich haarlänge, haarfarbe und überhaupt. in langen gemeinsamen jahren diplomatie und harmonie-gleich-im-eimmer-stolper­fallen-ausweichen geübt, betrachtet er mich kurz um sogleich mit dem äusserst nichthilfreichen satz: "dir steht jede haarlänge in jeder farbe", jegliche pro- und kontra-diskussion zu vermeiden. ich überlege mir ob ich ihn mit der bratpfanne mal kurz hauen soll oder ihm für diese eigentlich sehr liebe antwort einen kuss auf seine noch-nie-eine-antifalten-creme-kennengelernt-backen drücken soll.

 

 

ich schau in den spiegel und frage mich wieder, soll ich oder soll ich nicht?