Der Kopf voller Worte - leider in vollkommen sinnbefreiter Reihenfolge.
Ich wollte schreiben. Nichts Grosses. Also vielleicht doch. Zumindest etwas mit Tiefe, Sinn, Witz und Esprit. Vielleicht sogar mit einer Idee, die Lesende zu Nickenden (und ich meine damit nicht Einnickenden!) macht?
Doch hier sitze ich nun. Das neu geöffnete, ungeduldig Buchstaben erwartende Dokument strahlt mir in unbeflecktem, strahlendem Weiss entgegen. Ich nippe am Kräutertee, ziehe den Duft gierig in die Nase und hoffe auf Geistesblitze.
Aber da kommt nichts. Meine Fantasie scheint gerade Ferien zu machen. Sitzt sie cocktailtrinkend auf einer Südseeinsel fest?
Ungeduldig klopfe ich mit den Fingern auf die Porzellantasse, dehne meinen Hals nach links, nach rechts, lasse den Kopf schief – vielleicht hilft ja eine 25-Grad-Perspektive auf den Bildschirm?
Ich erinnere mich an Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden und fluche innerlich, kein Tipp, kein Trick hilft.
Ich räume meinen Schreibtisch auf, sortiere Stifte, staube ab, ordne mein E-Mail-Postfach, klicke mich durch Onlinezeitungen, summe das Lied im Radio leise mit – in der Hoffnung, dass mir bei
einem bewussten Wechsel der Sinne etwas Gescheites in den Sinn kommt.
Nichts.
Ich füttere die Waschmaschine, ordne Waschmittel, reinige das Waschbecken in der Waschküche und denke krampfhaft darüber nach, ob ich eine Gehirnwäsche bräuchte, um in den Schreibfluss zu kommen. Vielleicht eine 90-grädige?
Schliesslich entscheide ich mich für das Naheliegende und tippe: "Ich habe eine Schreibblockade!"
Das tut gut. Ehrlichkeit währt ja bekanntlich am längsten.
Ob ich das dem Verlag irgendwie schmackhaft beibringen kann?
Weil – der Abgabetermin für den nächsten Jugendroman rast bedrohlich näher.
Schreiben hat manchmal schon eine sehr eigenwillige Art, in Beziehung mit mir zu treten. Mitten in der Nacht klopfen ganze Kapitel an, lassen mich zufrieden grinsend weiterschnarchen und am Morgen haben sie sich längst ins Nimmerland verkrümelt.
Da nichts hilft, beschliesse ich, nichts zu tun.
Also doch etwas.
Ich gönne mir einen ausgiebigen Hundespaziergang durch die bunten, herbstlichen Wälder. Dort fallen Blätter – und mit ihnen vielleicht auch Schreibideen.
Ich sag’s mal so: Mein Schreibfluss hat gerade Stau, aber wenigstens hat der Humor freie Fahrt.
Im Büchlein
99 Achtsamkeiten to go
Für alle, die schnell mal langsam machen wollen!
geht’s nicht um grosse Worte, sondern um kleine Pausen.
Und wer weiss, vielleicht steckt genau darin der Anfang jedes guten Textes.
