Gerupft

… ich fühle mich wie ein gerupftes Huhn.

Eigentlich wollte ich lediglich meine Facebook- und Instagram-Accounts zu den 99 Hühnereien synchronisieren. Ziemlich harmlose Geschichte. Eigentlich.
Und ich wollte mein privates Facebook-Konto von den 99 Hühnereien trennen. Eigentlich.

Gut gelaunt und mit feinstem Morgenkaffee versorgt dachte ich mir, dass dies eine kurze Brüterei sei. Und schmerzlos. Eigentlich.

Aber was soll ich sagen: Ich habe selten so naiv in einem digitalen Hühnerstall herumgehühnert, hineingegackert und dabei das eine oder andere Ei gelegt.

Anfangs war alles harmlos. Ich test-postete. Instagram teilte. Und zwar – leider äusserst engagiert – immer noch und immer wieder auf meinem privaten Facebook-Profil. Nicht dort, wo die Hühner hingehören. Sondern mitten ins Wohnzimmer meines persönlichen Accounts. Dort, wo eigentlich Familienfotos und harmlose Alltagsgedanken wohnen.

Also begann ich zu klicken. Und leise zu gackern.
Professional Dashboard.
Kontenübersicht.
Verknüpfte Funktionen.
Business-Portfolio.
Assets.
Uneingeschränkte Kontrolle.
Eingeschränkte Kontrolle.

Irgendwann sass ich da und fragte mich ernsthaft, ob ich nebenbei versehentlich einen multinationalen Konzern gegründet hatte. Ich wollte doch nur ein Huhn posten und kein Imperium verwalten. Maximal einen Hühnerstall.

Zwischendurch kam die Frage nach dem Passwort. Natürlich kam die.
Dumm nur, dass ich offenbar inzwischen mehr Meta-Zugänge als Hühnerfedern im Stall zu besitzen scheine. „Leider ist dein eingegebenes Passwort falsch.“ Dieser Satz entwickelte sich über Stunden zu einer Art Mantra.

Ich wechselte zwischen Profilen wie Hühner zwischen Hühnerstangen. Ich klickte mich durch graue Masken, aufpoppende Fenster und kryptische Bezeichnungen. Mal war ich die, mit eingeschränkter Kontrolle. Mal herrschende Besitzerin. Mal offenbar nur geduldete Teilnehmerin. Und das in meinem eigenen Hühnerstall!

Irgendwann begann ich, leise mit dem Bildschirm zu verhandeln.
„Ich schreibe Büchlein über Leichtigkeit“, jammerte ich flügellahm. „Ich kann doch nicht an einem Befehl namens ‚Teilen in anderen Apps‘ scheitern.“

Doch ich konnte.
Keine meiner achtsam-run­terfahren-und-beruhige-dich-Übungen halfen.

Dann der Wendepunkt. Ich habe vom Computer aufs Handy gewechselt. Eigentlich nur, weil ich auch in der Mittagspause das Problem verzweifelt zu lösen versuchte. Und so ein Handy ist wesentlich unauffälliger auf dem Mittagstisch als ein Laptop.

Und dort, irgendwo zwischen „uneingeschränkter Kontrolle“ und „verknüpfte Assets“, klickte es. Nicht nur im Menü. Auch bei mir.

Und als ich schliesslich in der Instagram-App - logisch in der App !!!, nicht im Browser, wo ich vorher tapfer herumgewurstelt hatte - vor dem Veröffentlichen nach unten scrollte, stand dort tatsächlich:

„Auch auf Facebook teilen: 99 Hühnerereien.“

JAAAAAAA! Mach… Mach!!!!!

Ich sag dir: Heute habe ich Federn gelassen. META-Federn.

Und dumm nur, dass ich den ganzen Vorgang mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen all meinen Hühnereien in einigen Wochen wieder vergessen habe und dann irgendwann erneut hilflos am Laptop mit Social-Media-Accounts herumgackere.

Doch aufgeben ist keine Option. War es noch nie. Wird es wohl auch nie sein.

Allerdings find ich mich grad ziemlich ein Huhn. Weil darauf, dass Instagram und Facebook auf dem Handy anders funktionieren, darauf hätte ich gewiss Stunden früher kommen können.

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